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VC Kanti muss in Ostrava gewinnen, um weiterzukommen
Vor dem heutigen Rückspiel im tschechischen Ostrava (zu deutsch Ostrau) hatten die Kanti-Volleyballerinnen gestern eine gut 13-stündige Busreise hinter sich zu bringen. Nach dem 3:2 im Hinspiel braucht der VC Kanti zwei Sätze, um sich für die 1/16-Final zu qualifizieren.

Isidora Ubavic (9) feiert mit ihren Kolleginnen Korina Perkovac, Victoria Deisl (l.) Viviane Habegger, Eva Svobodová und Kateřina Holásková einen Punktgewinn im Hinspiel.
VOLLEYBALL-EUROPACUP. War das ein dramatisches Hinspiel am letzten Mittwoch in der BBC-Arena zwischen dem VC Kanti und TJ Ostrava. Nach zweieinhalb Stunden standen die Schaffhauserinnen nach einer aus ihrer Sicht nicht durchwegs optimalen Leistung als glückliche 3:2-Siegerinnen fest – «wir können sicher besser spielen», war der Tenor. Sie hatten es zu wenig geschafft, die zwei stärksten Tschechinnen, Linkshänderin Sandra Kotlabova und Andrea Strbova, effizient zu blocken oder Bälle im Feld abzuwehren. Die Equipe von Zdenek Pommer zählt auf eine gute Stammsieben.
Beim VC Kanti hingegen konnte Trainer Nicki Neubauer am Ende des zweiten Satzes mit Romy Jatzko eine gleichwertige Akteurin für die Tschechin Eva Svobodova einwechseln, und prompt entwickelte sich Jatzko bis zum Schluss zur eifrigen Punktesammlerin hinter der an jenem Abend überragenden Korina Perkovac, Diagonalangreiferin Isidora Ubavic und den Mittelblockerinnen Katerina Holaskova sowie Wiebke Silge. Beim ebenfalls dank harter Arbeit zustande gekommenen 3:2-Sieg in der NLA gegen Cheseaux war Jatzko (15 Punkte) zweitbeste Skorerin hinter Ubavic (19).
Die gestrige Reise der 20-köpfigen Kanti-Delegation – inklusive zwei Busfahrer, damit sie sich abwechseln können – begann in aller Herrgottsfrühe um 4.15 Uhr bei der BBC-Arena und führte über Stuttgart und Prag nach Ostrau, das an der Nordostgrenze Tschechiens an der Oder liegt, zehn Kilometer südwestlich der Grenze zu Polen. Das Verwaltungszentrum der Mährisch-Schlesischen Region zählte im Januar 2021 rund 285 000 Einwohner. Gegen 17.15 Uhr, nach 13 Stunden und über 1012 km, kam der Schaffhauser Bus in Ostrava an. Eine sehr, sehr lange Reise, meinte Delegationsleiter Sandro Poles, für Verpflegung unterwegs war indes gesorgt. «Wir sind überall gut durchgekommen. Einzig kurz vor Ostrava gab es einen kleinen Stau. Wir sind in einem sehr schönen Hotel untergebracht und können zweimal in der Spielhalle trainieren.» Nach dem Spiel heute (18 Uhr) erfolgt die Rückfahrt über Nacht. Hoffentlich mit einem positiven Ergebnis im Gepäck. (hcs.)
Zu Besuch in Wiesbaden,

Die Schaffhauser Volleyballfreaks Roger Kubli (l.) und Werner Schläpfer (M.) zu Besuch in Wiesbaden bei Pia Leweling und Trainer Dirk Gross.
Exponenten des VC Kanti zu Besuch in Wiesbaden: Knapp zehn Jahre nach der letzten Meisterschaftsmedaille des VC Kanti (Silber 2012) ist der damalige Kantitrainer Dirk Gross zurück in der ersten Volleyball-Bundesliga. Beim Aufsteiger VC Neuwied 77 hat der langjährig in der Schweiz tätige Trainer (Köniz 2007 bis 2012, und VC Kanti 2012 bis 2015) vor einem Jahr einen interessanten Job angeboten bekommen. Er führte den Verein Neuwied in die 1. Bundesliga und ist zudem Landeslehrwart beim Volleyballverband Rheinland-Pfalz. Der Klub hat jetzt zwei Jahre Zeit, sich in der obersten Liga zu etablieren, da er nicht absteigen kann. Im kürzlichen Spiel an seiner einstigen Wirkungsstätte in Wiesbaden traf Dirk Gross auf die letztjährige Kantispielerin Pia Leweling und auf die Schweizer Nationalspielerin Laura Künzler . In einem insgesamt schwachen Spiel setzten sich die Favoriten aus der hessischen Hauptstadt schliesslich deutlich mit 3:0 gegen Aufsteiger Neuwied durch. Zum ersten Mal in der noch jungen Saison spielte Pia Leweling von Anfang an und zeigt nach anfänglicher Nervosität ein ansprechendes Spiel. Die Schaffhauser Volleyballfreaks Roger Kubli (l.) und Werner Schläpfer (M.) zu Besuch in Wiesbaden bei Pia Leweling und Trainer Dirk Gross. (wschl)
Der VC Kanti braucht auch gegen Cheseaux fünf Sätze für den Sieg
Nach dem 3:2 im Europacup-Hinspiel gegen Ostrava schlug der VC Kanti gestern den VBC Cheseaux.

Audriana Fitzmorris (r.) spielt den Ball am Kantiblock mit Karis Watson (dahinter Korina Perkovac) vorbei. BILD REINHARD STANDKE
Reinhard Standke
Nun weiss auch das Team des VC Kanti, warum der VBC Cheseaux in der aktuellen NLA-Rangliste den 4. Platz belegt. Das Team aus der Romandie, dass sich bislang einzig in Aesch geschlagen geben musste, rang den Schaffhauserinnen fünf Sätze ab. In der Kanti-Startformation erhielt Romy Jatzko (Aussen) den Vorzug vor Eva Svobodová, als zweite Mittelblockerin begann neben Captain Katerina Holásková gestern Karis Watson. Der erste Satz sollte aus Sicht des VC Kanti im langjährig gewohnten Rahmen verlaufen. Die Gäste griffen zwar immer wieder gefährlich und erfolgreich durch Topscorerin Madeline Renée Hynes und Audriana Fitzmorris an und kamen beim 9:8 auch bis auf einen Punkte heran. Kanti punktete diesmal weniger durch Korina Perkovac, sondern durch Romy Jatzko und Holásková und sicherte sich den ersten Teilerfolg mit 25:16 schlussendlich klar.
Doch die Gäste aus der Romandie liessen sich nicht einschüchtern und rissen ab dem zweiten Durchgang die Initiative an sich. Sie setzten das Heimteam mit dem Service sowie den Angriffen von Haynes und Fitzmorris unter Druck. Die Schaffhauserinnen bekundeten je länger, je mehr Mühe in der Abnahme und agierten im Angriff nicht effizient genug, die Versuche konnten zu oft entschärft werden. Den Gästen unterliefen auch etwas weniger Servicefehler. So lag Cheseaux bis zum 11:11 vorne, Kanti ging dann zwar mit 15:14 in Führung, kassierte dann aber eine Serviceserie zum 15:18. Cheseaux liess sich den Vorsprung nicht mehr nehmen und glich mit 25:23 aus.
Danach stieg das Team aus der Romandie druckvoll in den Satz ein, die Kanti-Abnahme begann nicht gut (1:4, 5:8). Später übernahm mit dem Service von Passeuse Deisl das Heimteam das Zepter (6:10 bis 12:10), dann kam Cheseaux wieder heran (15:15). Danach sollte Kanti kein Angriff mehr gelingen, die Gäste punkteten mit Haynes am Service nicht weniger als zehn Mal in Folge. Kanti-Coach Neubauer hatte beim 15:20 Guyer (für Deisl) und Svobodová (für Perkovac) gebracht, begann im vierten Satz jedoch wieder mit der Startformation. Nach dem Stand von 0:3 kam es zum Wechsel auf der Libero-Position (Contorno für Habegger). Anschliessend kämpften sich die Munotstädterinnen nach und nach heran (10:10) und machten den Rückstand von 11:14 und 13:15 wett, da Cheseaux nach einem Wechsel und einem Doppelwechsel sowie Servicefehlern aus dem Tritt geriet. Nach dem Rückwechsel (18:18) war es jedoch zu spät, Kanti gelang die bessere Schlussphase (mit Silge für Watson ab 19:18) und erzwang mit 25:22 den Tie-Break). Hier war bis zum 8:8 noch keine Vorentscheidung gefallen. Mit dem Service von Deisl und Jatzko kamen die Schaffhauserinnen beim 14:10 zum Matchball, den Ubavić mit einem Block verwandelte.
Da am Samstag Leader Neuenburg UC bei Aesch-Pfeffingen (dessen Trainer Andi Vollmer wohnte gestern der gesamten Begegnung in der BBC Arena bei) 3:1 gewann, liegen die Munotstädterinnen in der Tabelle nun zwei Punkte hinter NUC, einen Punkt vor den Baselbieterinnen und vier Zähler vor Cheseaux.
An den kommenden beiden Wochenenden trifft der VC Kanti jedoch auf die aktuellen Tabellennachbarn, und zwar beide Male auswärts. Am kommenden Sonntag führt die Reise zuerst zum Leader nach Neuenburg, am Freitag darauf nach Aesch ins Baselbiet. Zum Abschluss der Hinrunde der Qualifikation ist dann am 20. November noch Franches-Montagnes in der BBC Arena zu Gast. Am kommenden Mittwoch kommt es aber noch zum Rückspiel im Europacup in Ostrava.
Liga-Alltag nach dem Europacupkrimi
Beim VC Kanti geht es nach dem 3:2-Hinspielsieg im Challenge Cup gegen Ostrava Schlag auf Schlag weiter: Morgen (16.30 Uhr, BBC-Arena) ist Cheseaux in der NLA zu Gast, und am Dienstag früh geht es los nach Tschechien.

Ein ganz sicherer Wert im Kanti-Angriff war beim 3:2 gegen Ostrava Korina Perkovac (l.).
HANDBALL. Ein derart spannendes und umkämpftes Spiel wie am Donnerstagabend zwischen dem VC Kanti und Ostrava hat es in der BBC-Arena noch nicht oft gegeben. Klar waren auch die Halbfinalmatches im letzten Play-off gegen den späteren Meister Neuenburg von viel Dramatik geprägt, aber an eine solche Dramaturgie wie beim 3:2 zwischen den Schaffhauserinnen und Tschechinnen mag sich der Chronist kaum erinnern. Dass es am Schluss vor dem total begeisterten Publikum auch noch mit 17:15 im Tiebreak zum – glücklichen – Sieg gereicht hat, war natürlich das Tüpfelchen auf dem i. Und zeugt von der Nervenstärke des Kantiteams, angeführt von der Topskorerin Korina Perkovac, die nicht nur 24 Punkte erzielte, sondern sich auch mit 56 Prozent positiven Serviceabnahmen auszeichnete. Ihr folgte die Diagonalangreiferin Isidora Ubavic (17) und die beiden Mittelblockerinnen Katerina Holaskova (16) sowie Wiebke Silge (15). Das Kollektiv funktionierte ebenso.
Deshalb lagen sie sich länger als sonst in den Armen. Wenn man solche Spiele indes verliert, dann würde das sofort enorm auf die Stimmung drücken, doch diesmal blieben viele Fans nach dem mitreissenden Event trotz der späten Uhrzeit länger in der Halle oder zügelten in die «Barena», um alles Revue passieren zu lassen. «Was war das bitte für ein Spiel gestern Abend in der BBC-Arena?!?», zeigte der VC Kanti auf seiner Facebookseite, wie verwundert er selbst darob immer noch war.
Auch der morgige Gegner Cheseaux war vorgestern im 1/32-Final des Challenge Cups engagiert, er verlor nach ebenso hartem Fight in 127 Minuten bei Linz/Steg in Oberösterreich – dem letzten Club von Kantizuspielerin Victoria Deisl – mit 2:3 (12:15 im Tiebreak). Bei Cheseaux überzeugten wie meist in der NLA die beiden neuen US-Angreiferinnen Madeline Haynes (26 Punkte) und Audriana Fitzmorris (21). Auf sie hatte Kantitrainer Nicki Neubauer hingewiesen. Die Waadtländerinnen haben nach dem Abgang der Topskorerin Sarah van Rooji (zu Aesch) wohl kaum an Spielstärke eingebüsst, der VC Kanti muss sich in Acht nehmen und versuchen, die Euphorie von vorgestern in den Liga-Alltag mitzunehmen. (hcs.)



