Impressionen VC Kanti

06.06.2021 08:48

HEIDRICH & VERGE-DEPRE TREFFEN IM OSTRAVA-FINALE AUF SPONCIL & CLAES

Der Halbfinal

Das verbliebene Schweizer Team Heidrich/Vergé-Dépré steht damit alleine im Halbfinal. Und der Gegner ist niemand geringeres als die Weltmeisterinnen Pavan/Melissa aus Kanada, die momentan das Ranking auf der World Tour anführen.

Die Schweizerinnen starten aber unbeeindruckt. Anouk liest das Spiel aus der Verteidigung und Joana ist eine Wand am Netz. Nach einigen Punkten, um ins Spiel zu kommen, etabliert sich beidseitig ein solides Side-Out. Pavan ist im Block – wie erwartet – sehr hoch. Trotzdem schafft es das Schweizer Duo immer wieder, mit cleveren Lösungen und übersichtlichem Spiel, einen Weg am kanadischen Bergmassiv vorbei zu finden.

Das Side-Out-Niveau ist definitiv halbfinalwürdig. Beide Teams finden die Linien und Ecken und liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bis zum Stand von 13:13 kann sich kein Duo absetzen. Melissa, eine der besten Defense-Spielerinnen der Welt, kann bisher in der Verteidigung gegen die schweizerische Präzision nicht viel ausrichten. Mitte des ersten Satzes greift Pavan einen zweiten Ball an und verschlägt diesen ins Aus. Break und 16:14 für die Schweiz. Nun gibt es äusserst tolle Rallyes zu sehen. Einer bleibt besonders in Erinnerung: Anouk schliesst einen atemraubend langen Spielzug gleich selber am Block ab. 18:16 für Heidrich/Vergé-Dépré. Kanada spielt stark, die Schweiz stärker.

Doch die Kanadierinnen dürfen niemals abgeschrieben werden – es ist und bleibt ein zäher Kampf! Die Schweizerinnen nehmen ihr Time-Out bei 19:18, als, beide mit vollem Einsatz, am Netz ineinander knallen und Anouk ein Knie an den Hinterkopf kriegt. Aber es kann weitergespielt werden. Anouk ist es dann auch, die den Ball zum 21:19-Satzgewinn reinhaut, indem sie hoch in den Block schlägt. Die Szene ist symptomatisch für den Rest des 1. Satzes: Kanada ist hoch, Kanada ist da, aber die Schweizerinnen finden immer wieder noch bessere Lösungen.  

Zweiter Satz. Gute Services auf Melissa machen den Aufbau für die Weltmeisterinnen schwer. Joana ist äusserst effizient mit dem Angriff durch die Mitte. Aber eben: Die Variation macht’s – auch die Rainbow-Shots in die Ecken können die Schweizerinnen und bringen die Kanadierinnen damit zur Verzweiflung. Anouk ihrerseits schafft es, mit starken Reads immer wieder Bälle auszugraben; und schliesst sie dann auch noch gleich selber ab.

Den ganzen 2. Satz über bleibt es ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe. Hohe Blocks, gute Defenses – so muss Beachvolleyball sein! Bei 12:11 für die Schweizerinnen begeht Melissa einen Fehler im Angriff. Diesem Punkt legt das Schweizer Duo gleich eine weitere sensationelle Defense-Aktion nach und holt sich erneut einen Breakpunkt. Es steht 15:13 zum Seitenwechsel.

Erwähnenswert ist auch, wie hoch und stabil Joanas Block immer wieder ist. Er beschert den Schweizerinnen das 19:15. Nach einem Netzfehler von Pavan ist es dann auch sie, die bei 20:18 den Topspin-Jumpserve ins Netz und die Schweizerinnen damit in Final von Ostrava schlägt!

Nachdem sie in fünf Begegnungen noch nie gegen die Kanadierinnen siegen konnten, folgt nun also dieser grosse Meilenstein. Gleichzeitig schafft es die Schweizer Nationaldelegation damit zum zweiten Mal innerhalb zweier Wochen in den Final eines 4*-Turniers.

Und was meint Anouk zu diesem aussergewöhnlichen Erfolg? «Wir sind überglücklich, dass wir Pavan und Melissa so unter Druck setzen konnten. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und konnten in den entscheidenden Momenten ruhig bleiben. Sie haben am Service viel Druck gemacht, aber wir konnten dagegenhalten und auch einmal kompensieren, wenn eine Annahme hinten im Feld geblieben ist. Wir freuen uns riesig, morgen den Final spielen zu können!»